„No-Carry-on-Bag“ – was nach Low-Cost-Carrier klingt, könnte schon bald auch bei Lufthansa Realität werden. Die Lufthansa Group plant offenbar einen Ultra-Light-Tarif, bei dem kein großes Handgepäck mehr erlaubt ist.
Das Szenario dahinter kennt jeder, der regelmäßig fliegt: Spätestens ab Boarding Group 3 wird der Platz in den Overhead-Bins rar. Auf verzweifeltes Suchen folgt nur allzu oft der Frust – der Trolley wandert in den Frachtraum, der Start verzögert sich. Ein Bild, das sich täglich auf Hunderten von Kurzstreckenflügen wiederholt.
Genau das will die Lufthansa Group offenbar strukturell lösen – mit einem neuen Tarif, bei dem kein Kabinenhandgepäck in Trolley-Größe erlaubt ist. Wer unter diesem Tarif bucht, hat von vornherein keinen Anspruch auf einen Overhead-Bin-Platz. Nur eine kleine Tasche oder ein Rucksack unter dem Vordersitz sollen weiterhin erlaubt bleiben.
Erster Hinweis auf der Bordkarte
Der erste Hinweis kam von einem Leser. Auf seiner Bordkarte für den Flug mit Lufthansa City Airlines von München (MUC) nach Paris (CDG) tauchte statt dem bekannten „Priority“-Hinweis der zu Beginn zitierte Begriff auf: „No-Carry-On-Bag“. Kein Handgepäck – das deutet eindeutig auf einen Tarif ohne Trolley-Berechtigung hin.
Solche Glitches passieren gelegentlich, wenn Buchungssysteme neue Tarifklassen testen, bevor diese offiziell kommuniziert werden.
Doch das ist nicht der einzige Hinweis. Auch aus gut informierten Kreisen innerhalb des Lufthansa-Konzerns wurde uns bestätigt, dass ein solcher Tarif tatsächlich in Planung ist. Zur einfacheren Kontrolle beim Boarding sollen Passagiere mit diesem Tarif als letzte Gruppe das Flugzeug betreten. So soll mehr Platz an Bord geschaffen und das Boarding beschleunigt werden.
Ab wann und bei welcher Gruppenairline der neue Tarif zuerst eingeführt wird, ist aktuell noch nicht bekannt.
Kein Novum in der Gruppe
Ganz neu ist die Idee innerhalb der Lufthansa Group nicht. Eurowings bietet im günstigsten Basic-Tarif bereits heute nur eine kleine Tasche im Format 40x30x25 cm, die unter dem Vordersitz verstaut werden kann.
Wer einen Trolley mit in die Kabine nehmen möchte, muss einen Aufpreis zahlen oder mindestens den Smart-Tarif buchen.
Mehr Platz oder versteckte Preiserhöhung?
Mehr Platz an Bord und schnelleres Boarding klingen zunächst positiv. Am Ende dürfte die Einführung eines Ultra-Light-Tarifs bei Netzwerkairlines wie Lufthansa, Austrian oder Swiss jedoch vor allem eines sein: eine weitere Tarifstufe, die klassische Leistungen herauslöst, um den Griff zum teureren Ticket attraktiver zu machen.
Dabei hat genau dieses Unbundling – allen voran das Streichen von kostenfreiem Aufgabegepäck im günstigsten Tarif – erst dazu geführt, dass immer mehr Passagiere mit großem Handgepäck in die Kabine drängen.
Wer das Boarding wirklich vereinfachen will, könnte konsequenterweise nicht nur den Trolley aus dem Tarif streichen, sondern gleichzeitig ein kostenfreies Aufgabegepäck einführen. Ob die Lufthansa Group diesen Schritt geht, ist bislang nicht bekannt, würde aber dem eingeschlagenen Weg widersprechen.
Was passiert mit dem Vielfliegerstatus?
Offen ist auch, wie der neue Tarif mit einem Vielfliegerstatus wirkt. Dass sich ein Senator oder HON Circle Member plötzlich in der letzten Boarding-Gruppe wiederfindet, weil er den günstigsten Tarif gebucht hat, ist wenig vorstellbar. Wahrscheinlicher ist, dass ein kostenfreies Handgepäck als Statusvorteil verankert wird, was den Status zusätzlich aufwerten würde.
Wer gewohnheitsmäßig mit Trolley reist, um Zeit am Gepäckband zu sparen, sollte künftig also genauer hinschauen, was im Ticket tatsächlich enthalten ist.
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Titelfoto von ozgurcankaya/ iStock
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